, Graf Willi

Männerriege Maibummel 2022

Chargé pour Soleure  

 

Nix Kaffee und Gipfeli in der Aarauerstube, sondern sofort ab auf den Zug. Dank des neuen Schifffahrplans reiste die 26 Personen umfassende Männerriege somit früher nach Solothurn. Dort angekommen, spazierten wir zum Schiffssteg, verfolgt von einem etwas seltsamen Subjekt. Bei der Wartezeit an der Aare legte sich dieses auf die Wiese und rauchte in aller Ruhe eine Tüte. Auch auf dem Schiff sass es in unserer Nähe, während wir endlich zu rasch verzehrend müssenden Kaffee und Gipfeli kamen. In Altreu trennte sich die Spreu (Subjekt) vom Weizen.  

In zwei Gruppen aufgeteilt führten uns eine Rangerin und ein Ranger durch die Natur. Dabei lernten wir einiges über die Schutzzone «Witi» kennen. Sie dient als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, insbesondere als Vogelbrutstätte, und gilt als Hasenkammer von nationaler Bedeutung. Vielleicht kam der eine oder andere ins Grübeln, als er erfuhr, dass die dort zahlreich vorhandenen Störche doch nicht Kinder bringen. Die Information, dass etwas über 50 % der Störche hingegen nicht mehr in den Süden ziehen, da die mittlerweile milden Winter genug Futter bieten, brachte die meisten von uns zum Staunen und Nachdenken.  

Im geschichtlichen Exkurs erhielten wir Informationen vom Wandel der Aare mit ihren Laufkorrekturen bis hin zu den Solothurnern Patrizier. Diese liessen Weinfässer von der Côte über die Seen und die Aare bis nach Solothurn bringen. Die Flösser durften ihren Anteil am Wein unterwegs zu sich nehmen. Der Durst war meist grösser, sodass sie mehr tranken und daher «gut geladen» in der Barockstadt anlandeten. Daraus entstand «chargé pour Soleure» – ein heute noch in der Romandie geläufiger Ausdruck.  

Apropos Wein: Gegen Mittag genossen wir den vom – ferienhalber abwesenden – Präsidenten gespendeten Apéro auf der Terrasse des Gasthauses Fischerstube. Besten Dank. Auch das vorzügliche Mittagsmahl verdankten wir dem Restaurantteam bestens. Zufrieden nahm der weitaus grösste Teil der Truppe anschliessend den Weg nach Solothurn unter die Füsse. Schön im Schatten der gewundenen Aare entlang gings flott voran. Der zweite Teil der Tour verlief jedoch teilweise schnurgerade in flimmernder Sommerhitze. Das war der Moment, als wir die Flösser mit ihren Fässern beneideten. Und es hätte nicht mal Wein sein müssen. Wir hielten aber tapfer durch, denn in Solothurn sollte endlich kühle Tranksame auf uns warten. Die Terrasse war allerdings komplett belegt. So musste sich die Männerriege ins Innere des Hauses zurückziehen. Das war nicht so prickelnd wie der georderte Gerstensaft. Daher entschied Reiseleiter Oliver: «Wir nehmen einen früheren Zug zurück.» Rasch die Getränke gekippt – sozusagen «chargé rapidement».  

Im proppenvollen Wagen fanden wir gerade noch Platz. Als der Zug in Olten einfuhr, erblickten wir eine grün-weisse Wand: Cupfinalverlierer stiegen zu, verhielten sich aber ob der doch eindeutigen Niederlage äusserst anständig. Sie wollten nur zurück nach St. Gallen. Wir quetschten uns beim Ausstieg in Aarau durch die in den Gängen stehende Menge und ploppten so aus dem Wagen. Tief die frische Luft einatmend verabschiedeten wir uns – geladen mit vielen Maibummel-2022-Eindrücken. Sozusagen «Chargé à Soleure». Danke Oliver. Wir freuen uns auf die nächste von dir organisierte Reise.  

André Hächler